Bienen – Eine Wunderwelt

Hier erfahren Sie was das Wesen des „Bien“ (so nennt man die Gesamtheit eines Bienenstocks) ausmacht.
Jedes einzelne Individium im Bienenstock hat eine Aufgabe.

Bienen

(Apiformes oder Anthophila), mit rd. 20000, etwa 2-40 mm großen Arten weltweit verbreitete, zu den Stechimmen zählende Überfamilie der Hautflügler. Zu den Bienen gehören unter anderen Sand-Bienen, Mauer-Bienen, Hummeln, Honig-Bienen und Pelzbienen. Alle Bienen sind Blütenbesucher und haben Sammelapparate aus Haar- und Borstenkämmen (Ausnahme Schmarotzer-Bienen) zum Eintragen von Pollen und Nektar. Die Königinnen und alle Arbeiterinnen tragen am Körperhinterende einen Giftstachel. Die Geschlechter sowie die Arbeiterinnen unterscheiden sich in Größe und anderen äußeren Merkmalen.
Die weitaus meisten Bienenarten sind einzellebend (solitäre Bienen oder Einsiedler – Bienen), die Brutpflege fehlt. Die höchstentwickelten staatenbildenden (sozialen) Bienen sind die Hummeln und die Honigbienen. Sie treiben meist eine intensive Brutpflege, indem sie ihre Larven fortlaufend füttern. Die Nester der Bienen sind unterschiedlich gestaltet.
Für Honigbienen sind reine Wachswaben charakteristisch, die meist in Höhlungen oder künstlichen Hohlräumen (Körbe, Beuten) angelegt werden. Ein Teil der Zellen enthält die Brut, ein anderer die Nahrungsvorräte. Orientierung und Verständigung (Bienensprache): Die höchstentwickelten Bienenarten können anhand der Polarisation des Himmelslichts den Sonnenstand für ihre Orientierung feststellen. Den beim Schwänzeltanz angezeigten Winkel (Zielort – Sonne) verändert die Biene synchron mit der „Sonnenbewegung“, ohne daß in der Zwischenzeit eine neuerliche Feststellung des Sonnenstandes notwendig wird. Dies zeigt zum Beispiel die beim Schwärmen als Quartiermacherbiene bezeichnete Arbeiterin im dunklen Stock: sie tanzt längere Zeit und paßt dabei den getanzten Winkel ständig dem sich verändernden Sonnenstand an. Erklärt wird dieses Verhalten durch das Vorhandensein einer inneren Uhr (physiologische Uhr). Die Benachrichtigung über Futterquellen geschieht im Stock auf unterschiedliche Weise.
Entweder durch einen deutlich wahrnehmbaren, stoßweise hervorgebrachten hohen Summton oder durch lebhaftes Umherlaufen. Weit komplizierter und exakter ist die Nachrichtenübermittlung bei den Honigbienen.

Die Königin

Die Königin ist das einzige sich fortpflanzende Weibchen der Gemeinschaft und somit Mutter sämtlicher Drohnen, Arbeiterinnen und zukünftiger Königinnen. Sie produziert täglich oftmals mehr als 1.500 Eier, deren Gewicht dem ihres eigenen Körpers gleichkommt.
In ihrem Körperbau unterscheidet sich die Königin auffallend von Drohnen und Arbeiterinnen. Ihr Körper ist langgestreckt, sie hat einen viel größeren Hinterleib als eine Arbeiterin. Ihre Mandibeln oder Oberkiefer sind mit scharfen Zähnen versehen, während ihre Nachkommen zahnlose Kiefer aufweisen. Die Königin besitzt einen weichen, gebogenen Stachel, den sie mehrmals benutzen kann, ohne ihr eigenes Leben zu gefährden.
Die Arbeiterinnen haben im Gegensatz dazu gerade, mit Widerhaken versehene Stacheln: Wenn eine Arbeiterin sticht, bleibt das nadelspitze Organ im Fleisch des Opfers verankert. Beim Versuch, ihren Stachel wieder herauszuziehen, reißt die Biene einen Teil ihres Hinterleibs ab und stirbt kurz darauf. Der Bienenkönigin fehlen die „Arbeitswerkzeuge“ der Arbeiterinnen, wie Pollenkörbchen, wachsabsondernde Drüsen und ein gutentwickelter Honigmagen. Ihre Nahrung besteht fast ausschließlich aus einem als Gelée royale bezeichneten Sekret, das in den Kropfdrüsen der Arbeiterinnen produziert wird. Die durchschnittliche Lebensdauer der Königin beträgt bis zu fünf Jahren.

Damit die Königin unter den Tausenden von Bienen leichter zu erkennen ist, wird ihr ein Farbplättchen auf den Rücken aufgeklebt. Jedes Jahr wird eine andere Farbe verwendet, damit schon anhand der Farbe das Alter der Königin erkannt werden kann (z.B. 2017 wird ein gelbes Plättchen verwendet)

Die Arbeiterin

In einem Bienenstock übertrifft die Zahl der Arbeiterinnen stets bei Weitem die Zahl der Drohnen. Im Frühjahr reicht die Zahl der Arbeiterinnen in einem Volk in der gemäßigten Zone von 8000 bis 15000, im Frühsommer kann ihre Zahl mehr als 60000 betragen. Die Arbeiterinnen vermögen sich nicht zu paaren und fortzupflanzen; sie sondern Wachs ab, bauen Waben, sammeln Nektar, Pollen und Wasser, wandeln den Nektar in Honig um, säubern den Stock und verteidigen ihn, wenn nötig.
POLLEN ist die Hauptquelle für Proteine, Fette, Mineralien und Vitamine – jene Nahrungsbestandteile, die für das Wachstum und die Entwicklung aller drei Kasten wesentlich sind. Erwachsene Bienen können auch nur von Honig und Zucker, also einer reinen Kohlenhydratnahrung, leben.
Neben dem Sammeln und Aufbewahren von Nahrung für alle Mitglieder der Gemeinschaft sind Arbeiterinnen auch für die Verteidigung des Volkes verantwortlich; außerdem halten sie die Temperatur im Stock konstant bei 34¡C, der optimalen Temperatur für das Schlüpfen und für die Aufzucht der Larven. Wird der Stock zu heiß, belüften sie ihn gemeinsam, indem sie mit ihren Flügeln Luft herbeifächeln. Bei kalter Witterung drängen sie sich eng um die Brut zusammen und erzeugen so Wärme. Aus den Eiern, von denen jeweils eines in eine Zelle gelegt wird, schlüpfen nach drei Tagen die Larven. Diese werden in den ersten Tagen mit Gelée royale gefüttert, danach mit Pollen, Nektar oder Honig. Jede der Hunderte von Larven in einem Stock muss viele Male pro Tag gefüttert werden.
In den ersten drei Wochen ihres Erwachsenendaseins beschränken die Arbeiterinnen ihre Tätigkeit auf den Bau von Waben, das Säubern und Polieren der Zellen, das Füttern der Jungen und der Königin, die Kontrolle der Temperatur, die Verdunstung des Wassers aus Nektar, bis dieser die Konsistenz von dickem Honig annimmt, und vielfältige andere Aufgaben. Gegen Ende dieser Periode fungieren sie als Trachtbienen und Verteidiger der Kolonie. Die Arbeiterinnen, die sich früh in der Saison entwickeln, führen ein außerordentlich geschäftiges Leben, das in der Regel sechs Wochen dauert. Spät im Herbst aufgezogene Arbeiterinnen leben im Allgemeinen bis zum Frühjahr, da sie im Winter wenig zu tun haben, außer zu fressen und den Stock warm zu halten. Anders als andere Bienen halten Honigbienen keine Winterruhe.

Der Drohn

Die Drohnen der Honigbiene besitzen keinen Stachel und sind wehrlos; sie weisen auch keine Pollenkörbchen oder Wachsdrüsen auf und vermögen kein Gelée royale abzuscheiden. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, sich mit neuen Königinnen zu paaren. Unmittelbar nach der Paarung, die stets außerhalb des Stockes im Fluge stattfindet, sterben die Drohnen. Die ersten Erforscher der Paarungsgewohnheiten von Honigbienen nahmen an, dass sich eine Königin nur einmal in ihrem Leben paart. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen brachten jedoch den Beweis, dass sich eine Königin in der Regel im Lauf einiger weniger Tage mit mehreren Drohnen paart. Die freibeweglichen Samenzellen der Drohnen gelangen in ein kleines, sackartiges Organ, den als Spermatheka bezeichneten Samenbehälter, im Hinterleib der Königin. Die Spermien bleiben in diesem Behälter während des gesamten Lebens der Königin lebensfähig. Drohnen leben im Frühjahr und Sommer in den Kolonien. Wenn der Herbst naht, werden sie von den Arbeiterinnen aus dem Stock vertrieben und sind zum Sterben verurteilt.

Quellen:

  • Microsoft Encarta
  • Einfluß der Bienenbestäubung auf den Ertrag von Apfelsorten (Lampeitl und Schwarz, Allg. Deutsche Imkerzeitung 1977, S. 268ff.)

Nutzen der Biene für die Natur

Honigbienen stabilisieren durch ihre Bestäubungstätigkeit (in Ergänzung zu anderen blütenbesuchenden Insekten) zahlreiche Lebensgemeinschaften.
Ein Beispiel: Frühblühende Anemonen entwickeln nach gründlicher Bestäubung ölhaltige Früchte, eine Lieblingsspeise der Ameisen. Ameisen „züchten“ und melken Blattläuse, weil sie den von ihnen ausgeschiedenen Honigtau mögen. Auch die Bienen sammeln diesen Honigtau und verarbeiten ihn zu Honig.
Die Honigbiene ist die wichtigste Tierart für die Bestäubung der Mehrzahl unserer heimischen Blütenpflanzen – sowohl Wild- wie Nutzpflanzen, zusammen 2.000 bis 3.000 Pflanzenarten. Wer denkt schon beim Biss in einen Apfel daran, dass dieser ohne die Leistung der Bienen gar nicht erst entstanden wäre?
Bestäubung von Nutzpflanzen durch Insekten
Bei ihrer Suche nach Nektar und Pollen vagabundiert die Biene nicht – wie viele andere Insektenarten – zwischen den Blüten verschiedener Pflanzen umher. Hat sie eine Pflanzenart als gute Nektar- oder Pollenquelle ausfindig gemacht, so bleibt sie dieser Art treu. „Blütenstet“ nennt das der Imker. Damit gewährleistet die Biene das Übertragen des richtigen Pollens auf die zugehörigen artgleichen Pflanzen.
Die meisten Obstarten bilden mit Hilfe des Bestäubungsdienstes der Bienen einen besseren Fruchtansatz aus. Damit nichts dem Zufall überlassen bleibt, werden die Bienenvölker vom Imker gezielt in die Obstkulturen gebracht. Wenn Bienen von Blüte zu Blüte fliegen, sammeln sie nicht nur Nektar zur Honigerzeugung. Ganz nebenbei sorgen sie für die Vermehrung der Blütenpflanzen.
Damit stellen sie ein wichtiges Kettenglied in zahlreichen natürlichen Lebensgemeinschaften (Biozönosen) dar: Die Bestäubungsleistung der Honigbiene sorgt für reichhaltigen Fruchtansatz bei vielen Wild- und Nutzpflanzen (z.B. Vogelkirsche, Ahorn, Himbeere etc.) und sichert damit anderen Lebewesen (Vögeln, Kleinsäugern, Wild u.a.) eine Nahrungsgrundlage. Durch Fraß der Früchte und Ausscheiden der Samen tragen diese Tiere zur Vermehrung der Pflanzen bei. Damit wiederum wird späteren Bienengenerationen und anderen Insekten Nahrung geboten.